Die Zeit des „Vormärz“ nach den Franzosenkriegen brachte in den habsburgischen Ländern einen neuen Patriotismus, der sich in der Hinwendung zur eigenen Geschichte, in deren Erforschung und in der Sammlung historischer Zeugnisse äußerte. Erzherzog Johann (1782–1859), Initiator zahlreicher kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Institutionen im Herzogtum Steiermark, hatte bereits 1811 das nach ihm als „Joanneum“ benannte Landesmuseum als Sammelstätte und Bildungsanstalt gegründet und den steirischen Landständen geschenkt. Dem Museum angeschlossen war auch das Joanneumsarchiv zur Sammlung und Bewahrung der schriftlichen Hinterlassenschaft im Lande. In der „Steiermärkischen Zeitschrift“ bestand seit 1821 ein Publikationsorgan auch für historische Forschungen.

Der Historiker und Benediktinermönch Albert von Muchar, Verfasser einer mehrbändigen „Geschichte des Herzogthums Steiermark“, betrieb zusammen mit Mitgliedern des Lesevereins am Joanneum die Gründung eines „Historischen Vereines für Innerösterreich“, mit Provinzialversammlungen in den einzelnen Erbfürstentümern Steiermark, Kärnten und Krain der alten, einst staatsrechtlich selbständigen habsburgischen Ländergruppe. Der Verein, vom Kaiser 1843 genehmigt, stand unter dem Protektorat Erzherzog Johanns, Obmann war der Abt von Rein Ludwig Crophius Edler von Kaiserssieg, und hatte die Finanzierung von Quellensammlungen zum Ziel.

Nach der Revolution von 1848 strebten die innerösterreichischen Provinzialversammlungen des Vereines jedoch auseinander, und es kam 1850 zur Verselbständigung des „Historischen Vereines für Steiermark“, der heute noch besteht. Ursprünglich ein „Honoratiorenverein“ mit rund 200 Mitgliedern, stieg die Mitgliederzahl bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf über tausend – besonders durch den Beitritt zahlreicher Schulen und Lehrer – und hält heute bei etwa 1.300. Im Vereinsausschuss besteht seit jeher eine enge Verflechtung von Repräsentanten aus Landesarchiv, den historischen und volkskundlichen Instituten der Grazer Universität, aus Joanneum und Denkmalpflege. Die Vereinskanzlei war bis 1862 im Landhaus und bis 1906 im Joanneum untergebracht, seit damals residiert der Verein im Landesarchiv.

Der Verein widmete sich von Anfang an der Sammlung von Archivalien und Bodendenkmälern sowie der Sicherung von historischen Bauwerken – dafür stellte er den ersten steirischen Landesarchäologen an und ernannte Bezirkskorrespondenten zur Förderung und Verbreitung seiner Ziele. Die Archivaliensammlung übergab der Verein später dem Landesarchiv, die archäologischen Fundstücke – darunter der weltberühmte hallstattzeitliche „Strettweger Kultwagen“ von unschätzbarem Wert – dem Joanneum.

Die zahlreichen Veröffentlichungen und Reihen des Vereins waren und sind in der geschichtswissenschaftlichen Literatur der Steiermark bahnbrechend. Zu ihnen gehören Grundlagenwerke wie die letzten Bände von Muchars Landesgeschichte, die drei Bände des Steirischen Urkundenbuches Josephs von Zahn, die seit 1850 erscheinenden „Mitteilungen des Historischen Vereines für Steiermark“ (seit 1906 „Zeitschrift“), die „Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“ (seit 1864) und die 1923 gegründeten „Blätter für Heimatkunde“. Der Bogen der Beiträge spannt sich von archäologisch-kunstgeschichtlichen Themen über die Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis hin zu Religionsgeschichte und Volkskunde. Rundfunkvorträge (bis 1996), die Studienfahrten in der Nachfolge der seit 1873 veranstalteten „Wanderversammlungen“ und seit 1945 die Organisation der seit 180 Jahren bestehenden Kurse aus Steiermärkischer Landeskunde – die Kursbesten erhalten die vom ständischen Archivar Joseph Wartinger gestiftete und nach ihm benannte Medaille – runden das wissenschaftlich-volksbildnerische Angebot des traditionsreichen Historischen Vereins für Steiermark ab.